In Sachen Liebe

Von |2019-01-27T16:04:00+00:0027. Januar 2019|Katzenstories|

Es war wieder mal so weit. Die Tage wurden täglich länger, die Nächte täglich kürzer, die Menschen wuselten unangenehm glückselig durch die Gegend und grenzten meine natürliche Umlaufbahn empfindlich ein. Friede, Freude, Eierkuchen. Aber vor allem Liebe. Davor ist niemand gefeit, auch nicht die menschlichen Weibchen, und schon gar nicht meine seltsame Mitbewohnerin.

Ich hab‘s ja gleich gemerkt, als ich nach meinem Nachmittagsspaziergang, dem Schläfchen im Fenstererker, dem Schläfchen am carportgeschützen Autodach und dem Nickerchen unter dem Pfefferminzbusch schließlich durch mein Katzentüre in die Wohnung kam. Ich hob mein Näschen. Es roch alarmierend nach nächtelangem Herumstreunen, nach fremden Menschen und nach Gefahr! Dann hab ich es gehört:
“Feliiiiiice! Was soll ich bloß anziehen?” Und schließlich hab ich es auch gesehen, den riesigen Kleiderberg auf ihrem Bett und meine Mitbewohnerin mit roten Wangen, aufgeregt, von einem Bein aufs andere tretend, vor ihrem geöffneten Kleiderschrank zappelnd.
Während ich aufs Bett hüpfte, dachte ich mir: “Tu‘s nicht, tu‘s nicht! Weißt du nicht mehr, was beim letzten Mal passiert ist? Die verweinten Nächte, die Ringe unter den Augen, die Gefühlsachterbahn, der ganze Schmuseschnickschnack? Erinnere dich, ERINNERE DICH!”
Aber sie, die sonst in mir wie in einem geschlossenen Buch lesen konnte, verstand mich nicht. Stattdessen flog mir eine dünne Bluse entgegen, die wohl für Mister Superman, oder welches Schnuckelbubi auch immer, nicht gut genug war.
Ich blieb einige Sekunden still darunter sitzen, spielte ein wenig mit den glitzernden Knöpfen und stellte mir vor, im tiefsten düsteren Dickicht, vor Nicki, dem Nachbarshund, auf der Flucht zu sein. Schon hörte ich verdächtige Geräusche, war es Nicki, der Streuner? War es ein Ungetüm aus dem Wald, war es. . .
“T’schuldige”, meldete sich da meine Mitbewohnerin und riss mich aus der Gefahrenzone.
Sie hob mich aus dem Stoffberg hoch, drückte mich fest an sich, grub ihr Gesicht in mein Fell, quetschte mich ein wenig und sagte dann: “Du bist die liebste, süßeste, schnuckeligste Wulliwulli, die ich je hatte!!” Dann ließ sie mich endlich los.
Wulliwulli? Wie peinlich! Das konnte nur heißen, dass sie außer sich vor gefühltem Glück war, dass sie komplett daneben war, dass sie. . . verliebt war, die Arme!
Dann zog sie etwas auf ihre Hinterbeine, auf dem kein vernünftiger Mensch sich je aus dem Haus wagen würde, und stöckelte aus der Wohnung. Klick klack, klick klack, oh Mann, das war‘s wieder mal für diese Saison!

Die Zukunft lag vor mir wie ein leerer Futtertrog! Das Schnurren blieb mir im Halse stecken. Öde Tage und Nächte warteten auf mich. Unsere gemeinsamen gemütlichen Terrassennachmittage konnte ich mir ins Nackenfell schmieren. Und wofür? Nur damit sie schließlich, nach Wochen oder Monaten, wie jedes Mal, auf der Couch landete, zu Tode betrübt, mit verweinten Augen, zwischen Zorn und Wehmut hin und hergerissen! Das konnten wir doch wirklich überspringen. Wenn ich zum Beispiel einfach ihr neuestes Seidenkleid zerfetzen, den Oleander ausbuddeln oder in ihre Schuhe pinkeln würde, dann hätte sie das gleiche, nur viel schneller!
Ich zog mich in meine Couchmulde zurück. Ich wünschte mir, meine Mitbewohnerin würde weniger an sich denken. Ich wünschte mir, sie würde mehr an mich denken. Ihre Hormone brachten ja auch meinen Alltag durcheinander. Wann würde sie endlich einsehen, dass kein einziger dieser Heinis mit mir konkurrieren konnte? Na, dem würde ich‘s zeigen, wenn der jemals hier aufkreuzte!
Über meinem Gram muss ich wohl eingeschlafen sein, denn plötzlich hörte ich die Wohnungstüre. Schon so früh? Meine Mitbewohnerin schlich leise ins Zimmer und meinte munter: “Was für ein Langweiler, den Abend hätte ich mir wirklich sparen können, Felice!” Dann strich sie mir zart übers Fell und schaltete den Fernseher ein.

Pfuh! Diesmal war die Gefahr vorüber. Aber vielleicht sollte ich sicherheitshalber doch ein wenig an ihrem Kleidchen kratzen…

Die Katzenstories sind zwischen 2012 und 2016 im Magazin all4pets als regelmäßige Kolumnen unter dem Titel “Felices Tagebuch” – Katzenjammer erschienen. Link zum Magazin:

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